Vorwort

 

 

Wir nennen unsere Gemeinschaft „Humanitäres Dorf“. Mit dem Begriff „humanitär“ verbinden wir den Sinn von wohltätigem, selbstlosem, großherzigem Verhalten gegenüber allen Mitmenschen, insbesondere auch zu Armen und Hilfsbedürftigen. Mit „human“ wird meist eine menschenfreundliche Gesinnung und Denkhaltung beschrieben. Humanität gebietet auch eine, in allen Richtungen, orientierte Toleranz und Achtung vor den Mitmenschen, im weiteren Sinne auch die Achtung vor Tieren und dem Schutz der Natur.

 

„Wenn morgen die Welt untergeht, pflanze ich heute noch ein Apfelbäumchen.“

(Martin Luther 1483 - 1546)

 

Ein Dorf ist meistens eine überschaubare Gruppe von Menschen. Im Ursprung ist eine Dorfgemeinschaft eine landwirtschaftlich geprägte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur. Dieses Projekt wurde unter der Maßgabe eines Systemwechsels in Deutschland geplant. Insofern gehen wir davon aus, dass Wohlfahrt und Sicherheit für das autarke Dorf durch den Staat gewährleistet sind. Aufgrund der im Projekt geplanten Industrieansiedlung wäre die Dorfgemeinschaft auch aus eigener Kraft in der Lage, die erforderlichen Mittel für die Wohlfahrt zu erwirtschaften.

 

Der Lebensmittelpunkt einer zukünftigen menschlichen Gemeinschaft wird sich in einer freien, selbst bestimmten und souveränen Lebensart verwirklichen. Die Freiheit wird nur begrenzt, wenn durch deren Verwirklichung die Freiheit eines anderen Menschen eingeschränkt wird oder diese sich nicht im Einklang mit der Schöpfung befindet. Achtung und Toleranz unserer Vielfalt sowie Eigenverantwortung sind ein Selbstverständnis der Einwohner. Für die Menschen sind Lebensräume zu schaffen, die sich im Einklang mit der Natur befinden. Die Menschen achten die Schöpfung und pflegen die Gemeinschaft. Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt die Weichen für eine Zukunft mit hoher und erfüllter Lebensqualität.

 

Dieser Prozess wird sich über mehrere Generationen erstrecken. Wir wollen mit unserem Projekt nicht Vorsehung spielen. Wir machen ein Angebot. Es steht jedem frei es anzunehmen. Die Annahme schließt Rechte und Pflichten ein. Der dazu erforderliche Wandel der Menschen selbst wird die größte Herausforderung sein. Wir werden die Welt nicht besser machen, wenn wir die Menschen zwangsbeglücken. Sie sollten es verinnerlichen und selbst wollen. Wir können ihnen dabei helfen, indem wir ihnen zur Seite stehen.

 

Die Einheit von sozialer Kompetenz und materiellem Wohlstand sind untrennbarer Bestandteil unseres Handelns. Darin sehen wir eine unserer Aufgaben. Die materielle Befriedigung der Bedürfnisse wird nicht allein zu einer besseren Welt führen. Erst die Entwicklung in eine höhere Dimension der geistigen Reife wird den Menschen den Weg in die Freiheit und Selbstbestimmung öffnen. Der materielle Wohlstand wird dem folgen.

 

Es wird einer umfangreichen Aufklärung bedürfen, die Menschen vom Müll der geistigen Deformation ihres Daseins zu befreien. Erst dann werden sie frei entscheiden können, wie sie leben wollen. Dafür übernehmen sie dann auch die Verantwortung. Eine erfolgreiche Transformation ist nur möglich, wenn es uns gelingt, den dazu erforderlichen geistigen Wandel in der Breite der Gesellschaft zu vollziehen. Es bedarf der kollektiven Höherentwicklung des Bewusstseins. Wir sind voller Hoffnung. Wir sehen aber auch die Gefahren, die für die Gemeinschaft bestehen, wenn wir den geistigen Wandel mit den Menschen nicht vollziehen können.

 

Ausgehend davon, dass der Bedarf für ein Leben auf dem Lande gewollt zunehmen wird, widmet sich dieses Projekt einer ländlichen Lebensführung. Jede Ansiedlung sollte ihren eigenen Charakter entwickeln. Vielfalt hat Priorität. Regionale Bedingungen und historisch gewachsene kulturelle Eigenheiten sind zu erhalten und es ist ihnen eine förderliche Aufmerksamkeit zu widmen. Gleichmacherei wird es nicht geben. Der Charakter der ländlichen Ansiedlungen und deren Baustil wird auch kulturhistorisch und hinsichtlich der produktiven Ausrichtung geprägt sein. Örtliche Ressourcen, die Lebensführung und die Bedürfnisse der Menschen in der Region haben Einfluss auf die architektonische Gestaltung. Damit soll sich die Ansiedlung hinsichtlich ihrer Prägung bereits durch die Wahrnehmung offenbaren. Das kann beispielhaft eine Mühle sein, die den Hauptzweck der Ansiedlung beschreibt. Auch Weinberge geben Zeugnis ab. Das kann auch eine Räucherei an einem größeren Binnensee sein. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt.

 

Indem sich die Ansiedlung durch ihre Tätigkeiten identifiziert, zeigen die Bewohner ihre Verbundenheit mit ihrer Lebensart. Bestehende ländliche Ansiedlungen, die den nachhaltigen Vorstellungen einer menschenwürdigen und ökologischen Nutzung nahekommen, sind zu erhalten. Zunächst ist darauf zu achten, dass auf vorhandene ländliche Ansiedlungen aufgebaut wird. Allein um den Flächenverbau zu begrenzen, ist der Entwicklung vorhandener Ansiedlungen der Vorzug zu geben. Es ist immer zu prüfen, ob vorhandene Infrastruktur kulturhistorisch erhaltenswert ist und weiterentwickelt werden kann. Die ländliche Bevölkerung ist in die konzeptionelle Arbeit von Beginn an einzubeziehen. Wer denn sonst als der Bauer selbst weiß, wie Landwirtschaft zu betreiben ist? Den dort angesiedelten Menschen und deren Befindlichkeiten sind höchste Aufmerksamkeit und Respekt zu widmen.

 

Es geht immer um, für und nur mit den Menschen.

 

In unserer Vision bekommen Familien wieder einen sehr hohen Stellenwert. Schule wird den Kindern bzw. der jungen Generationen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Familien werden gefördert. Es wird genau das Gegenteil, von dem was heute an Existenzängsten auf den Familien lastet, zur Wahrheit werden: ein finanziell sorgloses Leben.

 

Wir werden regionalisieren statt zentralisieren.

 

Dieses Projekt wird neu zu schaffende Ansiedlungen auf grüner Wiese zum Inhalt haben. Obwohl, wie bereits eingangs angedeutet, zunächst immer auf vorhandene Ansiedlungen aufzubauen ist. Mit diesem Projekt wird keinesfalls dem ungezügelten Flächenverbrauch der Vorzug gegeben. Unser Projekt versteht sich als Blaupause und damit als Grundlage für die Entwicklung ländlicher Projekte. Anliegen dieser Projektarbeit ist es, einen ganzheitlichen Lösungsansatz zu schaffen, auf dessen Grundlage weitere spezifische ländliche Projekte geplant und entwickelt werden können.

 

Eine Siedlung ist in ihrer Raumordnung hinsichtlich einer hohen Lebensqualität zu gliedern. Geruchs-, Staub- und Lärmbelästigungen sind auf das unvermeidbare Maß zu beschränken. Durch Optimierung der Laufwege ist schon in der Planungsphase der erforderliche Straßenverkehr innerhalb der Siedlung zu reduzieren. Durchgangsverkehr wird ausgeschlossen. Als gesellschaftliches Zentrum kommt der Dorfmitte eine große Bedeutung zu. Ein angemessener Dorfplatz mit Weiher in Kombination mit Gaststätten (eine darf auch gern eine Kneipe sein) bietet gute Bedingungen für gesellschaftliche Höhepunkte.

 

Mit Handel und Gewerbe wird die Dorfmitte zu einem kommunikativen Zentrum für die Einwohner. Ein oder zwei Markttage sind auf dem Dorfplatz gut vorstellbar. Auch für das Erntedankfest bietet der Dorfplatz die geeignete Kulisse. Es sollte auch die Möglichkeit bestehen auf einer großen Leinwand auf dem Dorfplatz weltweite Großereignisse gemeinsam erleben zu dürfen. Und warum nicht mal eine Sommerfilmnacht. Der Dorfplatz wird als ein kulturelles Zentrum wahrgenommen.

 

Der ansässige Bäcker wird über einen Holzbackofen verfügen, der auch von Dorfbewohnern genutzt werden kann. Schilder für Handel und Gewerbe werden in altdeutscher Beschriftung dargestellt (auch die Straßenschilder). Wir hoffen in unserer schönen Gemeinde auf Besucher, die in den Gästezimmern eines Gasthofes übernachten können.

 

Die Dorfgemeinschaft wird ein vielfältiges Angebot für die Kinder bereithalten. Materielle Gesichtspunkte dürfen für Kinder kein Motiv sein. Die Kinder werden wohlbehütet und ohne Leistungsdruck lernen und erwachsen werden können. Sie werden mit Tieren in Kontakt kommen, um diese wert zu schätzen. Ein Kasperltheater darf im Dorf nicht fehlen. Eine Kutschfahrt wird nicht nur Kindern Freude machen.

 

Nachzudenken ist auch über die Bereitstellung eines Fuhrparkes für die Dorfbewohner. Damit werden Privatfahrzeuge weniger attraktiv. Zu überlegen ist weiter, ob Schule, Sportstätten und Kindergarten in der Siedlungsmitte einzuordnen sind. Randlagen bieten Vorteile, die im Rahmen der Raumplanung zu bewerten und mit den Menschen zu entscheiden sind. Dazu zählen auch kulturelle Einrichtungen. Handwerk und Gewerbe darf im Rahmen einer Mischbebauung auch in der Ansiedlung stattfinden, sofern Belästigungen ausgeschlossen werden können.

 

Industrie- und Produktionsstätten gehören in Randlage, wobei erforderliche Erweiterungen oder Ergänzungen im Konzept auszuweisen sind. Die Einordnung hat auch unter verkehrstechnischen Gesichtspunkten zu erfolgen.

 

Landwirtschaft ist der wichtigste Zweig. Wir sorgen für saubere Luft, sauberes Wasser, saubere Nahrung. All das muss künftig garantiert sein. Die Bedingungen für die Landwirtschaft, die als eine der wichtigsten Versorgungsfaktoren im Lande gilt, sind neu zu organisieren. Die bereits vorhandene Landwirtschaft wäre zu entschulden und so zu stellen, dass sie ohne Gifte auskommt und einen biologischen Anbau ermöglicht. Bauern bevorzugen Einzelhöfe außerhalb der Siedlung möglichst im Zentrum der landwirtschaftlichen Flächen. Eine Überproduktion ist gewollt, denn Klein- und Großstädte sollten aus der Region versorgt werden. Die landwirtschaftlichen Unternehmen sind auf eine nachhaltige Einzelgröße zu beschränken. Kleinbauern ist der Vorzug zu geben. Das Vieh wird freilaufend ganzjährig die Möglichkeit haben zu weiden. Offene Stallungen auf den Weiden bieten den Tieren Schutz vor Sonne, Regen und Kälte. Sollte eine Mühle in Frage kommen, wäre deren Standort auf einer kleinen Anhöhe am Rande der Siedlung. Gärtnereien und die Baumschule sind der Randlage zuzuordnen.

 

Der Obstanbau zur Selbstversorgung ist gewollt und kann auch am Wohnhaus stattfinden. Der gewerbliche Obstanbau ist am Ortsrand oder auch abseits der Siedlung einzuordnen. Somit kann dem Dorf Frischobst aus eigenem Anbau angeboten werden. Darüber hinaus gehender Bedarf wird aus Zulieferungen gedeckt. Soweit Frischobstangebote außerhalb der Erntesaison nicht aus eigenen Ressourcen möglich sind, erfolgt die Zulieferung aus exterritorialen Angeboten. Der Konservierung wird zukünftig in den Haushalten selektiv eine größere Bedeutung beigemessen.

 

Eine Kleintierhaltung sollte auch am Wohnhaus im Dorf möglich sein. Der Hahnenschrei kann und darf kein Ärgernis sein. Ob die Einzelhaltung einer Ziege oder Schaf möglich ist, sollte die Dorfgemeinschaft selbst entscheiden.

 

Die Grundversorgung ist soweit möglich und sinnvoll in der Dorfgemeinschaft zu sichern. Die Ansiedlung soll als harmonisches Ganzes wahrgenommen werden. Die Altersstruktur ist einer gesunden Normalverteilung in der Gesellschaft anzustreben.

 

Erforderliche Infrastrukturen für eine gedeihliche Lebensführung sind zu entwickeln. Die Ansiedlung sollte sich hinsichtlich der wichtigsten Bedürfnisse soweit sinnvoll und möglich selbst absichern. Daraus ableitend ist aus dieser Aufgabenstellung heraus die dafür erforderliche Größe und Struktur zu entwickeln. Zusätzlicher Bedarf ist zunächst aus der Region abzudecken. Überregionale Kooperationen und Lieferungen ergänzen das Angebot und verbessern die Lebensqualität.

 

Zur Sicherheit ist die interne Versorgung der Grundbedürfnisse mit anderen Ansiedlungen, überregional und zweckmäßig zu vernetzen. Spätere sinnvolle und erforderliche Erweiterungen oder Ergänzungen sind im Projekt bereits mit anzudenken.

 

Jeder Mensch als Teil der Gemeinschaft leistet den ihm auf Grund seiner Neigungen, physischen und psychischen Voraussetzungen möglichen Beitrag. Diesbezügliche Annahmen sind unter „Die Arbeitsplätze“ ersichtlich. Den Umfang der Leistung wird die Gemeinschaft hinsichtlich der Erfüllung der Bedürfnisse und zur Sicherung einer allumfänglichen Reproduktion selbst benennen und laufend ergebnisabhängig korrigieren. Erfahrungen bestätigen, dass eine Jahresleistungszeit den saisonalen abweichenden Bedarf sehr gut gerecht wird. Beispielhaft sei hier die Frühjahrsbestellung oder die Ernte im Herbst genannt.

 

Durch Kooperation werden auch kleine Betriebe in die Lage versetzt mit anderen Gewerken übergreifend zu agieren. Das heißt für unser Dorf, dass insbesondere auch in Hinblick auf die persönliche Mitgliederkarte ein flexibler wechselnder Einsatz der arbeitsfähigen Einwohner in verschiedenen Betrieben möglich wird.

 

Dieses Projekt wurde als Konzept im Stadium einer Anfrage entwickelt und nimmt keinen Bezug auf konkrete Sachstände. Die örtlichen Anpassungen stellen im Rahmen dieses Projektes nur eine Aufwandsermittlung unter Annahmen dar. In der Phase der konkreten Planung ist zunächst ein Generalbebauungsplan als örtliche Anpassung zu erarbeiten, dass die zu schaffende Ansiedlung ganzheitlich auch hinsichtlich zukünftiger Erweiterungen abbildet. Jeder Baustein hat seinen vorgegebenen Platz. Jedoch sind individuelle Gestaltungen im Rahmen des ganzheitlichen Konzeptes selbstverständlich möglich und auch gewollt. Dem Drang nach Uniformierung darf keine Möglichkeit gegeben werden.

 

Wichtig sind für die Jugend attraktive Angebote eines erfüllten Dorflebens. Selbstverständlich sollen ergänzend auch Angebote aus anderen Siedlungen und Städten aus der Region nicht nur für die Jugend nutzbar sein. Man besucht sich gegenseitig. Dorffeste sind von jeher begehrte Möglichkeiten der Begegnung.

 

Es darf keine Subventionen geben. Der gesellschaftliche Aufwand für ein Produkt oder Leistung muss sich im Preis wiederfinden. Nur so kann Fehlentwicklungen entgegengewirkt werden. Alles hat seinen Preis.

 

Wenn auch wünschenswert, wird es wohl den Schmied samt seiner Schmiedegeräusche in der Dorfmitte nicht mehr geben. Eigentlich schade, denn es wird Pferde im Dorf geben, die beschlagen werden müssen. Ein Schmied kann viel und Individuelles für die Gemeinschaft leisten. Er wird seinen Platz im Industriegebiet finden.

 

Überlassen wir es den Dorfbewohnern, ein vielfältiges Angebot aus eigener Kraft zu erschaffen. Im Rahmen des Konzeptes kann es nicht schaden, wenn die erforderlichen Mittel bereits Bestandteil des Konzeptes sind. Arbeitsplätze werden durch angesiedeltes Handwerk, Gewerbe, Dienstleistung und in größerer Anzahl durch die Erbauung und Gründung großer Produktionsbetriebe geschaffen.

 

Zum einen werden in dieser Gemeinschaft Anlagen autarker Heizungs- und Stromerzeugungssysteme für die Dorfgemeinschaft hergestellt, zum anderen werden diese auch in die Region geliefert. Da diese Technologie zum Teil mit Wasser betrieben wird, entstehen keine schädlichen Emissionen, die die Umwelt belasten. Der Vorteil dieser Innovation besteht darin, dass unsere Anlagen weltweit auch von der Großindustrie genutzt werden können. Damit erzielen wir eine Eindämmung der globalen Umweltverschmutzung. Arbeitsplätze entstehen auch durch die Ansiedlung von weiteren Gewerbebetrieben und Handwerk.