Jörg Schlosser

 

Geboren wurde ich am 03. August 1949 in Zwota. Mein Vater war im heimischen Handwerk als Holzblasinstrumenten-macher, meine Mutter als Näherin tätig. Meine Schwester ist zwei Jahre älter und mein Bruder 14 Jahre jünger als ich. Zwota ist ein Dorf im Obervogtland. Dort bin ich wohlbehütet aufgewachsen und durfte die Vorzüge eines Dorfes und die einer großen Verwandtschaft genießen.

 

Zunächst war meine Entwicklung durch die gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR geprägt. Nach der 8. Klasse folgte das Gymnasium in Klingenthal. Nachträglich hat sich herausgestellt, dass die handwerkliche Berufsausbildung, parallel zur Gymnasialzeit in meinem Fall als Maurer, mir während meiner gesamten Berufstätigkeit von großem Nutzen war. Nach dem Abitur mit Facharbeiterbrief als Maurer war meine Entscheidung für meinen weiteren Weg fällig.    

 

In logischer Konsequenz war es eine Entscheidung für das Bauwesen. Allerdings war vorher der Wehrdienst zu leisten. Aus der heutigen Sicht hatte auch einen seinen Sinn. Erst beim Wehrdienst ist aus mir ein Mann geworden und es hat sich in mir auch der Ehrgeiz geregt, etwas aus mir zu machen. Bis dahin hatte mich die Zukunft wenig interessiert. Ich hatte Glück und kam zur Marine als Signalgast.

 

Es folgten vier Jahre Studium (Bauwesen) an einer renommierten Hochschule in Leipzig. Inzwischen war ich verheiratet und der erste Sohn war geboren. 8 Jahre später wurde mein zweiter Sohn geboren.

 

Nach dem Studium folgte eine Tätigkeit als Technologe in einem gut geführten Tiefbaubetrieb im Vogtland. Von 1975 bis 1985 war ich mit zweijähriger Unterbrechung in der Ukraine tätig und zeichnete zuletzt als Technischer Leiter für die technischen Prozesse beim Erdgasvorhaben für den Industriebau im Abschnitt West verantwortlich.

 

Danach wurde mir in Klingenthal in einem Baubetrieb die Aufgabe eines Produktionsdirektors mit der Personalverantwortung über 400 Mitarbeiter übertragen. Das waren gute Jahre. Ich hatte mein selbst gebautes Haus, zwei Autos und beste Reputation. Damit war mein Lebenstraum erfüllt. Meinte ich.

 

Bis 1986 war ich von der sozialistischen Gesellschaftsordnung zutiefst überzeugt. Ich war nicht Mitläufer. Ich war mit dem Herzen dabei. Bis es wie immer eines äußeren Anstoßes bedurfte, um die ersten Fragen zu stellen. Bei mir waren es zwei Fälle, die Produktionsmitarbeiter betrafen. Es war Staatswillkür, wie es diese schon immer in der DDR gegeben haben mag.

 

Nur zu diesen beiden Mitarbeitern hatte ich, wie zu allen Mitarbeitern, eine persönliche Beziehung. Alles spielte sich vor meinen Augen und Ohren ab. Das war zu viel. Eine Entscheidung war fällig. Mache ich heuchlerisch weiter und genieße mein sehr gutes Auskommen oder lehne ich mich auf.

 

Ich habe mich zum Widerstand entschieden. Letztendlich fehlte mir aber dann doch der Mut für Veränderungen in der DDR einzutreten. Es erschien mir aussichtslos. Deshalb habe ich es vorgezogen Ausreiseantrag zu stellen, um die DDR zu verlassen. Das war natürlich ein Skandal ersten Ranges in Klingenthal und wurde von nur wenigen Menschen verstanden, wie ich so abtrünnig werden konnte. Mir wurde gekündigt.

 

Also verdingte ich mich als Maurer, um Toilettenhäuschen oder anderer alter Bausubstanz wieder Leben einzuhauchen. 1989, schließlich kurz vor der Maueröffnung, hat man mich samt Familie ziehen lassen. Man wollte mich Unbequemen los werden.

 

In Bayern angekommen hatte ich nach einem Monat eine Anstellung im Bauwesen und war ein Jahr später, ich hatte wieder einmal Glück, erfolgreich in einer hohen Führungsfunktion angekommen. Bis mich dann die Konsequenzen des ungezügelten Kapitalismus einholten. Die soziale Marktwirtschaft gab es nicht mehr, was ich damals wie vieles andere auch, noch nicht wusste.

 

Zu diesem Zeitpunkt lernte ich meine heutige Frau kennen. Wir sind seit 20 Jahre verheiratet. Zuletzt war ich für einen bekannten Baukonzern in München tätig. Als Projektleiter war ich für die technische Projektleitung von Großvorhaben tätig. Beispielhaft sei das FAB 36 von AMD mit einer Gesamtinvestition von 3 Mrd. € genannt. Der Konzern war erfolgreich und gesund, weshalb er auf Betreiben einer Großbank von einem „Intensivpatienten“ geschluckt wurde. Es kam folgerichtig zur Insolvenz. Das war es dann.

 

Mit 55 hätte ich in ewiger Dankbarkeit zu einer mich anstellenden Firma sicher eine Tätigkeit gefunden. Doch für einen “altersgerechten Arbeitsplatz” war ich noch zu jung. Als selbständiger Dienstleister kam ich dann mit Horst Kirsten zusammen und war schließlich für die GFE im Vertrieb tätig. Inzwischen im Rentenalter angekommen genieße ich heute mit meiner Frau die Vorteile der freien Zeit.

 

Nun hat mich die Vision des autarken, humanitären Dorfes begeistert.

Ich kann und will einen Beitrag dazu leisten. Ich habe dafür die Zeit, das Wissen und die Erfahrung!